Eltern fragen – der Blaue Elefant antwortet (10)

Ab sofort beantworten unsere Expertinnen der Jugend- und Familienberatungsstelle jeden Donnerstag eine neue Frage.

Thema 10/ 28.05.2020: "Vorerst letzte Elternkolumne" - dafür gesammeltes Corona-Wissen für Eltern & Kind auf unserer Homepage

Inzwischen sind wir in einer neuen Phase der Pandemie angelangt. Zu den bisherigen Infektionszahlen kommen in der Südpfalz aktuell keine weiteren bekannten Corona-Infektionen hinzu. Es gibt Lockerungen, auch wenn diese - gerade für Familien mit Kindern - noch weit von der Normalität entfernt sind.

Trotzdem bemerken wir zurzeit bei unseren Beratungsanfragen, dass viele gelernt haben, mit der neuen Situation besser umzugehen. Deshalb werden wir unsere Elternkolumne zum Thema Coronavirus erst einmal nicht fortsetzen.

Dafür haben wir auf der Seite "Corona-Krise" unserer Homepage sämtliche Elternfragen mit Antworten von uns Fachkräften sowie wichtiges Elternwissen rund um Covid 19 - wie etwa kindgerechtes Erklären des Virus, viele Tipps zur Beschäftigung zuhause mit Kindern, Strategien zur Stressbewältigung, mediale Angebote und Möglichkeiten der Beratung - für Sie zusammengestellt.

Seit kurzem bieten wir in unseren beiden Fachbereichen Jugend- und Familienberatung und Kinderschutzdienst neben Telefon- und Videoberatung auch wieder persönliche Beratungen in unserem Kinderhaus BLAUER ELEFANT unter Einhaltung der allgemeinen Hygienevorschriften an.

Bei Fragen oder Beratungsbedarf können Sie sich zu unseren Telefonzeiten an uns wenden und einen Termin vereinbaren.

Wir sind für Sie da!


Eltern fragen – der Blaue Elefant antwortet (9)

Ab sofort beantworten unsere Expertinnen der Jugend- und Familienberatungsstelle jeden Donnerstag eine neue Frage.

Thema 9/ 21.05.2020: "Ich bekomme seit 1,5 Monaten aus meinem Minijob kein Geld mehr, weil ich als Neue während der Einarbeitung noch in der Probezeit war. Das Geld hat schon davor nicht gereicht. Ich musste aufstocken. Das Einkommen, das anrechnungsfrei blieb, fehlt mir jetzt. Unterhalt vom Vater kommt zwar regelmäßig, aber in unterschiedlicher Höhe. Mein Kind geht normalerweise in die Kita und wird dort mittags günstig versorgt. Aber auch das ist durch die Corona-Krise weggebrochen. Es bleibt alles an mir hängen. Nicht nur, dass mir Geld fehlt. Ich habe jetzt auch höhere Ausgaben. Ich mache mir Sorgen, wie ich ohne mehr Schulden zu machen durch die schwierige Zeit komme. Diese Gedanken lähmen mich oft und ich bin gar nicht richtig für meine Tochter, 5 Jahre, da."

Ohne eigenes Zutun sind Sie in eine prekäre finanzielle Lage gekommen. 

Als Arbeitslosengeld II-Bezieherin sind Sie zwar berechtigt, Lebensmittel von der Tafel zu bekommen. Diese Möglichkeit entfällt allerdings im Moment, da die Tafel aufgrund der Krise geschlossen ist. Um dies bis Juni - dem Zeitpunkt, ab wann die Tafel wieder schrittweise öffnen möchte - zu überbrücken, hat sich eine Initiative der Jugendförderung Landau in Kooperation mit foodsharing Landau entwickelt, die während der Zwangspause der Tafel Unterstützung leistet. Dienstags zwischen 16 und 18 Uhr werden hier Grundnahrungsmittel, Obst/Gemüse, Backwaren und zum Teil Hygieneartikel an Menschen vergeben, die über wenig Geld verfügen. Ausgabeort ist der Innenhof der Roten Kaserne in der Marktstraße. Nach dem Abflauen des ersten Andrangs ist die Wartezeit ab ca. 17 Uhr nicht mehr allzu lange. Das ist vielleicht eine Möglichkeit für Sie, Ihre finanzielle Lage etwas zu entspannen.

Zwar hat unser Kinderschutzbund-Kleiderladen aufgrund des Infektionsrisikos zurzeit noch geschlossen, jedoch haben Sie seit dieser Woche beim Ruhango-Kigoma-Markt wieder die Chance, im ersten Stock, für kleines Geld notwendige Ausstattung für sich und Ihre Tochter zu bekommen. Beachten Sie hier bitte aber die Hygieneregeln und die eingeschränkte Besucherzahl während der Öffnungszeiten pro Familie.

Sie haben erwähnt, wie sich Ihre existenziellen Sorgen auf den Kontakt mit Ihrer Tochter auswirken. Ihre Tochter bemerkt, wenn Sie grübeln und traurig oder sorgenvoll gestimmt sind. Wichtig ist, dass Sie ihr mit wenigen Worten mitteilen, was Ihnen durch den Kopf geht. Gleichzeitig ist es sinnvoll, dass Sie Ihre Tochter entlasten. Viele Kinder beziehen eine gedrückte Stimmung auf sich und überlegen, was sie falsch gemacht haben könnten. Dabei ist es nötig, dass Sie Ihrer Tochter auch Zuversicht vermitteln. Das können Sie besser, wenn Sie sich einen erwachsenen Vertrauten suchen, mit dem Sie Ihre Sorgen und Zukunftsängste besprechen können. Sorgen Sie gerade jetzt auch gut für sich. Vielleicht lässt sich der Vater mehr in die Betreuung Ihrer gemeinsamen Tochter einbinden, so dass Sie Gelegenheit haben, mit einer Person auf Augenhöhe in einer ruhigen Atmosphäre ohne gespitzte Kinderohren zu sprechen? So kommen Sie womöglich etwas besser durch diese besondere Zeit.


Eltern fragen, der BLAUE ELEFANT antwortet (8)

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Thema 8/14.05.2020: "Elternkolumne zum internationalen Tag der Familie am 15.5"

Seit 24 Jahren gibt es den Internationalen Tag der Familie, der von den Vereinten Nationen 1993 ausgerufen wurde, um jedes Jahr am 15. Mai auf die Bedeutung der Familie für unsere Gesellschaft und für den Staat aufmerksam zu machen. Denn: Was wären wir ohne Familie, und sei sie noch so klein?

In der Familie lernen wir grundlegende Dinge: Wie wichtig es ist, füreinander Verantwortung zu übernehmen, Rücksicht aufeinander zu nehmen. Wie schön es sein kann, miteinander zu feiern. Oder wie es sich anfühlt, sich wieder zu versöhnen, wenn man gestritten hat. Ihnen fallen sicher noch andere Situationen ein.

Familie ist ein kostbares kleines Unternehmen - auch im wahrsten Sinne des Wortes. Kinder brauchen Zeit, es kostet Geld, sie groß zu ziehen. Und oft gibt es auch Probleme. Viele Mütter und Väter haben Schwierigkeiten, Beruf und Familie zu verbinden oder haben große Sorgen, wenn sie arbeitslos werden.

Familie ist wichtig! Das wissen wir und spüren es durch die Pandemie noch einmal besonders. Wir möchten Sie heute dazu einladen, kurz inne zu halten. Was bedeutet für Sie Familie? Was ist Ihnen durch die Ausnahmesituation der letzten Wochen bewusst geworden? 


Eltern fragen, der BLAUE ELEFANT antwortet (7)

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Thema 7/07.05.2020: "Corona Frust - Corona Freude"

Seit acht Wochen sind die meisten von uns zu Hause, auf dem Balkon oder im Garten, beim Schlange stehen, wenn sie einkaufen, oder beim einsamen Sport im Wald. All das fast immer mit den im eigenen Haushalt lebenden Personen, als Familie, allein oder mit einer anderen Person – und natürlich immer auf Abstand. Diejenigen von uns, die arbeiten, genießen die sozialen Kontakte dort mehr als je zuvor. Denn uns alle überkommt mehr und mehr die Langeweile und auch Frust, weil es manchmal zwischenmenschlich mehr kracht als sonst.

Da unterscheiden sich Eltern und Kinder kaum. Wir vermissen Freunde, Feste, Umarmungen. Wir lernen soziale Distanz auszuhalten und sind dankbar, wenn wir nicht allein leben. Wir lernen nicht länger als einen Tag – maximal eine Woche – im Voraus zu planen. Wir lernen miteinander zu spielen, viel spazieren zu gehen, und wünschen uns einen Hund. Wir entdecken unseren ureigenen Altruismus: beispielsweise das Singen und Musizieren vor dem Fenster, Masken nähen oder Besorgungen für andere Menschen tätigen, die durch die Krise noch eingeschränkter sind als wir. Wir lernen auch wieder mehr zu telefonieren und nutzen die Vorteile des Internets, wenn es um das Heranzoomen von Freunden und Familie geht. Eltern berichten, wie sie ihre Kinder neu kennenlernen. Kinder genießen mehr Zeit mit Eltern und haben oft etwas weniger Schulstress – außer sie stehen kurz vor ihrem Abschluss.

Daher ist die Corona Krise nicht nur eine apokalyptische Plage, sondern auch eine Chance. Was wollen Sie nach der Krise beibehalten? Schreiben Sie uns!


Eltern fragen, der BLAUE ELEFANT antwortet (6)

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Thema 6/30.4.2020: „Ich frage mich, wie mein Kind, 5 Jahre, das auf Dauer verkraften soll, wenn er nun weitere Wochen keine anderen Kinder treffen kann und nicht auch mal zu den Großeltern darf. Manchmal wirkt er schon sehr bedrückt und fängt dann schnell an zu weinen. Was für Ängste  kann diese Situation bei meinem Kind auslösen? Was kann ich tun?“

Ab wann die Kitas wieder regulär geöffnet werden, weiß zurzeit niemand. Verlieren Sie aber nicht die Zuversicht, dass das irgendwann wieder der Fall sein wird. Eine Notgruppen gibt es wahrscheinlich auch in Ihrer Kita und dieses Angebot wird gegebenenfalls demnächst erweitert.

Sicher hat Ihr Kind inzwischen schon viel über das Virus und die Ansteckung gehört. Passen Sie auf, dass Ihr Kind altersgerechte Informationen bekommt. Sendungen für Erwachsene zu Corona können das Kind erschrecken. Je kleiner die Kinder, desto weniger Details sind nötig. Für Kindergartenkinder gibt es tolle Bilderbücher, die man sich gemeinsam anschauen kann. Ich kann zum Beispiel das Buch »Willi Virus« empfehlen. Außerdem werden in der Sendung mit der Maus sehr gut Kinderfragen zum Thema Corona beantwortet. Kinderbücher oder Sendungen eignen sich sehr gut als Anhaltspunkt für ein Gespräch. Sie veranschaulichen, was ein Virus eigentlich ist, warum es wichtig ist, sich nicht anzustecken und, dass man andere schützen muss, wenn man selbst erkrankt ist. Oft kennen die Kleinen das Prinzip schon aus dem Kindergarten, wo ja regelmäßig ansteckende Krankheiten die Runde machen. Unbekanntes erklärt man am besten anhand von Bekanntem.

Sie sollten immer wieder mit Ihrem Kind darüber sprechen, was gerade in der Welt passiert, dabei aber möglichst entspannt bleiben, die Fakten im Auge behalten und vor allem: keine Panik erzeugen.

Kinder bekommen natürlich mit, wenn die Eltern oder Großeltern unsicher sind und vielleicht selbst Angst haben. Wichtig ist, dass man diese Ängste nicht auf gleicher Ebene mit Kindern bespricht. Kinder brauchen ein stabiles Gegenüber. Gefühle zu verbergen, ist trotzdem nicht sinnvoll. Seien Sie authentisch. Wenn ihr Kind fragt »Mama, warum guckst du so?«, dürfen Sie ruhig zugeben, dass sie gerade besorgt sind. Versuchen Sie sich zu beruhigen oder abzulenken und machen sie gemeinsam was Schönes, was Ihnen Zuversicht gibt und Spaß macht.

Wie wir Erwachsene fühlen Kinder sich sicherer, wenn sie selbst etwas gegen das Problem tun können.  Rituale, die es schon immer gab, sollten, wo möglich, beibehalten werden. Den Kontakt zu wichtigen anderen Bezugspersonen, z.B. den Großeltern sollten Sie z.B. über Skype halten.

Vielleicht mag Ihr Kind auch ein Bild für Oma malen und mit der Post schicken? Auch das Spiel mit dem Nachbarskind, vielleicht von Balkon zu Balkon kann Spaß machen, indem man sich neue Spiele ausdenkt, die so möglich sind.

Gehen Sie mit Ihrem Kind viel nach draußen und sorgen Sie für Bewegung. Beobachten Sie Ihr Kind. Zieht es sich zurück? Klagt es vermehrt über Stresssymptome wie Bauchschmerzen oder ist anhänglicher als sonst? Sprechen Sie offen mit ihm über Gefühle – auch negative Empfindungen gehören zum Leben dazu.


Eltern fragen, der BLAUE ELEFANT antwortet (5)

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Thema 5/23.4.2020: „Ich hatte gehofft, dass die Schulen bald nach den Osterferien wieder öffnen. Nun bleiben meine Kinder (3. und 5. Klasse) sogar noch nach dem 4. Mai zuhause. Ich wünsche mir einfach Normalität. Neben allen sonstigen Anforderungen soll ich nun auch noch weiter den Hilfslehrer spielen.  Es fällt mir schwer, meine Kinder zu motivieren. Oft platzt mir der Kragen und ich schreie, obwohl ich das nicht möchte. Aber ich kann es doch auch nicht schleifen lassen. Was kann ich tun?“

Die Situation, in der Sie sich als Eltern und Kinder seit Mitte März befinden, ist ohne Vergleich. Niemand konnte sich darauf vorbereiten. Im Moment gibt es auch noch keine Perspektive, wann sich dieser Zustand wieder normalisiert. Als Mutter oder Vater erhalten Sie von der Schule den Auftrag, die anstehenden Lerninhalte zu vermitteln. Von Ihren Kindern empfangen Sie ganz andere Signale. Vielleicht denken diese sich, es sind „Corona-Ferien“, super!

Ohne Frage sind die schulischen Aufgaben durch Ihre Kinder zu erledigen. Aber wie sieht Ihre Rolle dabei aus? Sie sind keine Lehrerin.

Aber als Erwachsener mit Verantwortung für Ihre Kinder können Sie den Rahmen für eine förderliche Lernatmosphäre stecken. Dazu zählen: festgelegte  Zeiten (definierter Beginn und definiertes Ende), ein fester Lernort, die Strukturierung des Lernstoffes und die Einhaltung regelmäßiger Pausen.

Ihre Kinder bearbeiten die gestellten Arbeiten aus der Schule. Ihre Aufgabe als Elternteil besteht darin, Ihren Kindern dabei Hilfestellung zu geben. Das kann durch Hilfe bei der Organisation geschehen, durch Mut zusprechen und bestärken. Kinder lassen sich durch Aussicht auf etwas Schönes im Anschluss an die Aufgaben (z.B. zusätzliche Medienzeit oder gemeinsames Spiel) motivieren.

Manche Kinder verlangen die ständige Anwesenheit eines Erwachsenen bei den Aufgaben. Worum geht es Ihrem Kind dabei? Hat es Rückfragen zu den Aufgabenstellungen oder profitiert es von der gewonnenen Aufmerksamkeit? Wenn es Ihnen gut geht mit der Nähe und auch Ihr Kind in dieser Form effektiv und soweit möglich selbstständig arbeitet, ist daran nichts zu ändern.

Viele Kinder reagieren frustriert auf Misserfolge. Vielleicht fühlen Sie sich als elterliche Unterstützer dann angegriffen. Hinterfragen Sie immer wieder Ihre Rolle. Entspricht sie Ihnen? Suchen Sie aktiv nach alternativen Wegen und Hilfen. Es gibt viele gute Erklärvideos z.B. auf youtube. Fragen Sie explizit auch die Lehrer Ihrer Kinder danach. Vielleicht können sie Links empfehlen.

Eine weitere empfehlenswerte Möglichkeit bietet sich auf der Seite www.corona-school.de. Diese Plattform vermittelt eine kostenlose digitale 1:1-Nachhilfe durch Studenten. 

Generell ist eine Rückmeldung über den Umfang der Aufgaben und den Lernerfolg an den Lehrer geboten. Sie beide arbeiten zusammen.

Und nochmal:  Es ist nicht Ihre wichtigste Aufgabe, Ihren Kindern den Unterrichtsstoff zu vermitteln. Sie geben die Rahmenbedingungen vor und unterstützen nach Ihren Möglichkeiten. Und manchmal darf man auch mal „fünf gerade sein lassen“

Behalten Sie bei allem Ernst der Lage die Freude aneinander!


Eltern fragen, der BLAUE ELEFANT antwortet (4)

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Thema 4/16.4.2020: "Nun ist unsere Familie schon die 5. Woche zu Hause. Es häufen sich zwischen den Kindern, aber auch zwischen meinem Mann und mir oder zwischen den Kindern und uns Erwachsenen Konflikte und Streitereien. Das ist anstrengend. Was können wir tun, damit es wieder ruhiger wird?"

Es ist ganz normal, dass die Stimmung bei Ausgangsbeschränkung und sozialer Isolation angespannter ist und es deshalb schneller oder häufiger zu Auseinandersetzungen kommt.

Um Kräfte zu schonen, macht es Sinn, zu überdenken, wie man mit Konflikten in der Familie anders umgehen kann. Wir haben folgende Tipps für Sie:

1.       Fechten Sie nicht alles sofort aus. Unterbrechen Sie Gespräche, die sich zum Streit entwickeln und nehmen Sie sie erst wieder auf, wenn alle sich beruhigt haben, sie selbst ebenso. Damit verringern Sie die erhöhte Grundanspannung durch die außergewöhnliche Situation. Denn: Streit bei mangelnder Möglichkeit, einander auszuweichen, ergibt eine hochexplosive Mischung.

2.       Führen Sie vorsorglich für Ärger und Streit Hilfsmittel ein. Zum Beispiel ein gebasteltes Stoppzeichen, das für alle zugänglich ist und von jedem benutzt werden kann, der empfindet, dass ein Gespräch gerade zu schnell oder zu heftig wird. Setzt einer ein Stoppzeichen, gilt es erst einmal auf die „Pausentaste“ zu drücken, denn Abstand, Ablenkung und Zeit tragen zur Beruhigung bei. Passen Sie aber auf, wenn Ihre Kinder noch klein sind, dass sie nicht das Gefühl bekommen, mit Beziehungsabbruch bestraft zu werden. Gehen Sie zum Beispiel für ein paar Minuten in verschiedene Räume oder wenigstens in unterschiedliche Ecken eines Zimmers. Und erklären Sie warum. In einer solchen Beruhigungspause ist es für alle Konfliktpartner explizit erlaubt, sich abzulenken, zu spielen, Musik zu hören – eben all das zu tun, was dabei hilft, Abstand zu gewinnen. Je schneller die Gemüter abgekühlt sind, umso schneller lässt sich ruhig weitersprechen. Beachten Sie, dass die Zeit, die es bis zur Beruhigung braucht, in Zwangssituationen, wie wir sie gerade erleben, länger dauern kann als sonst.

3.       Überlegen Sie: „Ist das Thema, an dem sich gerade ein Konflikt entzündet, wirklich wichtig und einen Streit wert?“ Versuchen Sie die Frage für sich nüchtern und ohne die momentane Verärgerung zu beantworten. Ist die Antwort auf diese Frage „Nein, es ist ärgerlich, aber nicht wirklich wichtig“, lassen Sie das Thema ruhen und verfolgen Sie den Konflikt nicht aktiv weiter. Ist die Antwort „Ja“, fragen Sie sich als nächstes, ob das Thema nicht nur grundsätzlich wichtig, sondern tatsächlich in diesem speziellen Moment von Bedeutung ist. Muss es wirklich genau jetzt ausgefochten werden oder ist es ein „Dauerbrenner“, den Sie schon kennen. Ist die Antwort „Wichtig, aber Dauerbrenner“, parken Sie das Thema und sagen Sie das auch allen anderen am Konflikt Beteiligten. Sagen Sie zum Beispiel: „Das ist ein wichtiges Thema, das wir schon kennen und für das wir noch keine Lösung haben. Momentan sind wir alle in einer sehr angespannten Situation, da ist es nicht wahrscheinlich, dass wir eine Lösung finden. Am besten sprechen wir über das Thema, wenn wir alle wieder bessere Nerven haben.“ Schreiben Sie das Thema vielleicht auf, damit niemand das Gefühl hat, es würde nur weggeschoben. Ist die Antwort „Wichtig, muss sofort gelöst werden“, setzen Sie sich ganz bewusst das Ziel, nur eine momentane Zwischenlösung zu finden. Diese sollte das Thema ernst genug nehmen, aber auch der momentanen Sondersituation Rechnung tragen. Es ist gerade nicht die richtige Zeit, um große Themen in allen Einzelheiten zu klären. Wichtig ist, dass Sie eine Lösung fokussieren und nicht im Vordergrund steht, Recht zu behalten oder den Streit „nicht zu verlieren“. Damit würden Sie den Konflikt nur selbst beschleunigen oder verlängern. Zeigen Sie stattdessen Stärke durch ein krisenangepasstes Vorgehen und die Fähigkeit, Themen zu parken oder loszulassen.


Eltern fragen, der BLAUE ELEFANT antwortet (3)

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Thema 3/9.4.2020: "Meine Tochter (14 Jahre) steht immer erst um 12 Uhr auf und gammelt aus meiner Sicht den ganzen Tag herum. Ich bin im Homeoffice - arbeite, mache den Haushalt, und muss zusehen, wie sie nichts tut. Das bringt mich auf die Palme! Was kann ich tun?"

In Zeiten von Corona laufen die Uhren anders. Alltag und Routinen müssen neu gestaltet und ausgehandelt werden.  Wahrscheinlich bekommt Ihre Tochter von ihrer Schule Arbeitsaufträge, die sie selbst erledigen muss. Die Schulen erwarten oft Feedback, nicht nur von Schülern, sondern auch von Eltern. Hausaufgaben sind jetzt die täglichen Aufgaben, die den Unterricht ersetzen. Haben Sie Ihre Tochter schon gefragt, wie sie damit zurechtkommt? Haben Sie ihre Hilfe angeboten? Versuchen Sie es! Die aktuelle Situation kann Kinder überfordern, aber sie können auch erfahren, wie es sein kann, selbst organisiert zu lernen und Aufgaben zu erledigen. Das muss nicht immer am Morgen stattfinden. Manchmal können Kinder auf diese Weise einen neuen Arbeitsrhythmus erlernen.

Da Ihre Tochter erst am Mittag aufsteht, können Sie davon ausgehen, dass sie gut ausgeschlafen ist. Langes Schlafen ist im Alter ihrer Tochter nicht ungewöhnlich. Es wäre interessant zu wissen, ob es normale (Frühjahr-)Müdigkeit ist, oder ob sie nachts in sozialen Medien unterwegs ist. Nur weil keine Schule ist, muss man nicht die ganze Nacht wach bleiben – da müssen Sie auch mitreden. Andererseits sind soziale Medien neben dem Telefon jetzt die einzige Möglichkeit, mit Freunden in Kontakt zu bleiben. Fragen Sie nach und handeln Sie neue Regeln aus. Das Schlimmste an Corona ist für Jugendliche der Mangel an sozialen Kontakten. 

Gammeln – sich also einfach mal langweilen – hat auch positive Seiten. Kinder und Jugendliche sind unter normalen Umständen oft komplett verplant. Dabei ist es wichtig, sich auch mal nur mit sich auseinander zu setzen, Tagträume zu entwickeln, herumzuliegen und auch mal nichts zu tun. Eigene Interessen können durch das Erleben von Langeweile entstehen und ausgebaut werden. Trauen Sie Ihrer Tochter zu, dass sie neben Instagram und Co. eigene Ideen entwickeln kann, wie man mit seiner Zeit gut umgeht.

Wenn sich Ihre Tochter langweilt und dies Ihnen gegenüber ausdrückt, könnten sie auch gemeinsam überlegen, wie Sie den Alltag einteilen wollen, wie Sie Aufgaben im Haushalt verteilen möchten.  Vielleicht ist Corona auch eine Zeit, in der Sie ganz andere Seiten an Ihrer Tochter kennenlernen. Könnte sie mal für die Familie kochen? Könnten wichtige Fertigkeiten, wofür sonst keine Zeit ist, nun gelernt werden? Vielleicht steckt eine Gärtnerin in ihr?

Das Wichtigste aber ist, dass Sie in der Lage sind, sich noch einmal zurückzuversetzen in die Zeit, als Sie selbst 14 Jahre alt waren. Was hätten Sie in solch einer ungewöhnlichen Situation angestellt? Hätten Sie auch bis 12 Uhr geschlafen und anschließend gegammelt? Oder hätte Sie Ihre Familie als Erntehelferin arbeiten lassen? Auch das wäre eine neue Erfahrung für Sie und ihre Tochter! 

Erziehung ist immer "work in progress". Es kommt auf den eigenen Blickwinkel an, ob es eine Belastung, eine Freude oder manchmal eine Mischung aus beidem ist.


Eltern fragen, der BLAUE ELEFANT antwortet (2)

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Thema 2/2.4.2020: "Seit drei Wochen sind die Schulen geschlossen. Unsere Familie ist jetzt 24/7 zusammen, die Nähe ist nicht immer angenehm. Uns fällt die Decke auf den Kopf und mir fehlt bei den zusätzlichen Anforderungen die Luft zum Atmen. Wie sollen wir das weiter aushalten?"

Ihr normaler Tagesablauf, der ganz natürlich durch Abwesenheitszeiten von zuhause für ein gesundes Gleichgewicht zwischen Nähe und Distanz gesorgt hat, ist vorübergehend ausgehebelt. Nun geht es darum, eine neue Struktur in den Tag zu bringen, die Halt und Orientierung gibt. Nehmen Sie dafür alle zusammenlebenden Familienmitglieder mit ins Boot und überlegen Sie gemeinsam, wann Sie was tun wollen. Vor allem die Schulaufgaben nehmen in vielen Familien derzeit großen Raum ein. Legen Sie unbedingt fest, wie viel Zeit (genau definiert von wann bis wann) Ihre Kinder täglich der Schule widmen. Denken Sie an Pausen. Je nach Konzentrationsspanne und Alter des Kindes sind 20 bis 30 Minuten Schulstoff von 10 Minuten Pause abzulösen. Darüber hinaus überlegen Sie mit Ihren Kindern, wann Ihre Hilfe bei den Schulaufgaben erforderlich ist. Vielleicht ist das schon eine Gelegenheit für Sie, sich etwas zurückzunehmen und für sich zu sorgen. Überprüfen Sie Ihren Anspruch.

Hausarbeit und Essenzubereitung haben ebenfalls ihren Platz im Tagesplan. Hierbei sind alle Familienmitglieder nach Kräften und Fähigkeiten gefordert. Das gemeinsame Tun kann viel Freude bereiten. Geben Sie Wahlmöglichkeiten.

Mindestens den gleichen Stellenwert bekommen Zeiten, in denen die Familienmitglieder etwas Angenehmes zusammen machen sowie „Auszeiten“, in denen sich jede/r selbst beschäftigt. Falls Ihre Kinder noch so klein sind, dass sie sich nur sehr kurz selbst beschäftigten können, wechseln Sie sich mit Ihrem Partner ab, so dass jeder Erwachsene zwischendurch etwas zur Ruhe kommt.

Erklären Sie Ihren Kindern, dass Sie Pause haben. Schaffen Sie durch einen Raumwechsel und/oder Symbole wie ein Schild „Pause“ Distanz. Alternativ kann auch eine Eieruhr den Kindern Sicherheit vermitteln, dass Sie bald wieder ansprechbar sein werden. Sind Ihre Kinder alt genug, können Sie vielleicht auch einmal allein „eine Runde um den Block“ laufen. Sagen Sie Ihren Kindern, was Sie vorhaben und wie lange Sie unterwegs sein werden und nehmen Sie für den Notfall ein Telefon mit.

Es hat sich bewährt, den miteinander gefassten Tagesplan schriftlich zu fixieren und für alle gut zugänglich aufzuhängen.

Fazit: Neben der Chance, viel angenehme Zeit miteinander zu verbringen liegt auch eine Entwicklungsmöglichkeit darin, Verantwortung zu übertragen und für sich selbst und seine Grenzen einzustehen.


Eltern fragen, der BLAUE ELEFANT antwortet (1)

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Thema 1/26.3.2020: Umgang und Übergaben in Zeiten von COVID-19 „Kann man das Umgangsrecht zum getrenntlebenden Elternteil aussetzen?“

Die Antwort auf diese Frage ist Nein.

Einzige Ausnahme ist, wenn eine Ansteckung vorliegt und das Kind bzw. die Familie vom Gesundheitsamt unter Quarantäne gesetzt wird. Allein die Aussage eines Elternteils darüber genügt nicht und das gilt in beide Richtungen. Der Umgangsberechtige kann nicht einfach das Kind behalten.

Was also tun, wenn man Angst hat?

In allen Umgangs- und Übergabesituationen ist es wichtig, sich darauf zu konzentrieren, wie man die Übergabesituation für das Kind so angenehm und angstfrei wie möglich gestalten kann. Das Kind soll unbeschwert von einem Elternteil zum anderen gehen und zurückkehren dürfen.

Am besten funktioniert das natürlich, wenn man sich als Eltern über Sorgen wie Corona austauschen kann. Es hilft aber auch, nicht sofort das Schlimmste zu befürchten, und zu vertrauen, dass der andere Elternteil nicht die Absicht verfolgt - nun mit Hilfe von Corona - das Kind zu entziehen. Es geht darum, den anderen zu beruhigen und einander zu versichern, das Bestmögliche zu tun, um eine Ansteckung zu vermeiden. Dabei kann man sich darauf verlassen, dass niemand sich selbst oder sein Kind absichtlich anstecken würde. Dieses zerrüttete Vertrauen ist natürlich oft der Knackpunkt. Nach einer bitteren Trennung fehlt es.

Aber Corona bringt uns dazu, dass wir unsere alten Gewohnheiten – gute und schlechte – überdenken. In Krisen sind wir dazu aufgefordert, neue Wege zu gehen. Dazu gehört vielleicht auch der Umgang mit dem Expartner.